Die Entstehung des "Nienburger Spargels"
 

Von Herbert Schriever
 
In Deutschland erstmals 1565 urkundlich erwähnt, kam der Spargel um die Jahrhundertwende zu uns in den Landkreis Nienburg. Durch fehlende Technik verzögerte sich die Verbreitung bis nach dem 2. Weltkrieg. Wurden 1949 in unserer Region 54 Hektar Spargel angebaut, waren es 1958/60 schon 115 Hektar. In dieser Zeit erkannte die LBAG Nienburg als Vorgängerin der RWG Grafschaft Hoya eG in Eystrup (die heutige Raiffeisen-Warengenossenschaft Niedersachsen Mitte eG- nachfolgend RWG genannt) die Zeichen der Zeit und baute eine große Sortieranlage in Nienburg am Bahnhof. Ab 1960 wurde der dort von den Landwirten angelieferte Spargel unter dem Markennamen „Nienburger Spargel“ unter ständiger Qualitätskontrolle der Landwirtschafts¬kammer sortiert und verkauft.
 
Die Entwicklung der Spargelanbaufläche im Landkreis Nienburg verlief nun rasant. 1978 wurden 220 Hektar, 1988 gleich 340 Hektar angebaut. Heute wächst das Edelgemüse auf 964 Hektar. Mittlerweile nimmt der LK Nienburg in der Gesamtstatistik der Spargelanbaufläche der Bundesrepublik den 7. Platz ein.
 
Die erhebliche Ausweitung der Anbaufläche, der immer enger werdende europäische Markt, vor allem aber die erheblichen Qualitätsunterschiede haben in den letzten Jahren immer wieder zu einem Preisverfall geführt. Da der „Nienburger Spargel“ weit über die Kreisgrenzen hinaus als wohlschmeckendes Edelgemüse bekannt ist, wurde und wird immer wieder versucht mit dem Begriff „Nienburger Spargel“ Geld zu verdienen - selbst, wenn der Spargel aus dem Ausland kommt.
 
Um die hiesige Landwirtschaft zu unterstützen und unsere besondere Spargelqualität zu schützen, hat die RWG 1996 beim Deutschen Patentamt in München die Wort- und Bildmarke Nienburger Spargel (Lizenz-Nr. 396 30 864) eintragen lassen. Ziel ist es ferner auf diesem Wege Einfluss auf die heutigen und zukünftigen Märkte zu nehmen. Nach Eintragung der Wort- und Bildmarke "Nienburger Spargel" ist der Spargel nur noch bei Anbauern und Vermarktern aus dem Landkreis Nienburg zu erhalten. „Nienburger Spargel“ zeichnet sich durch folgende Merkmale besonders aus: Herkunft ausschließlich aus dem Landkreis Nienburg, kontrollierte Anbau- und Pflegemaßnahmen sowie kein Einsatz von Bleichmitteln.
 
Die RWG bildete die Arbeitsgemeinschaft „Nienburger Spargel“, der ca. 40 Anbauer angehören. Mit diesen Anbauern wurden Lizenzverträge geschlossen. Deren Gebühren werden ausschließlich zur gemeinsamen Werbung eingesetzt. Der Spargelverkauf wird von der RWG und den Lizenzinhabern durch einheitliche Werbemittel unterstützt. Deshalb sollen unsere Kunden beim Spargelkauf auf das als Wort- und Bildmarke rechtlich geschützte Zeichen und die Lizenznummern achten! Seit der Schaffung dieses Qualitätssiegels wurde der Verbraucher in den letzten Jahren für diese Vorteile des Nienburger Spargels sensibilisiert.
 
Zur dauerhaften Sicherung der Qualität und zur Gewährleistung einer qualitäts- und umweltgerechten Produktion hat sich die RWG dem Qualitätssicherungssystem „QS“ angeschlossen. Für die Spargelvermarktung der RWG erfolgte 2005 die Zertifizierung mit dem Prüfzeichen QS Status I und 2009 die IFS-Logistik.
 
In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Nienburger Spargel, der RWG Niedersachsen Mitte eG und der Mittelweser-Touristik veranstaltet das Museum Nienburg am Sonntag, den 17. Mai 2015, das Nienburger Spargelfest. Auf diesem Fest wird eine neue Nienburger Spargelkönigin gekürt. Diese hat dann über das Jahr eine große Aufgabe zu erfüllen, denn sie stellt unser edles Gemüse, den „Nienburger Spargel“, auf Messen und anderen Großveranstaltungen vor, damit der Nienburger Spargel auch in aller Munde bleibt.
 
2008 entstand in Zusammenarbeit des Niedersächsischen Spargelmuseums, der RWG, der AG Nienburger Spargel und der Mittelweser-Touristik ein kulinarischer Reiseführer „Nienburger Spargel“. Dieses Buch ist versehen mit originellen Rezepten einheimischer Spargelanbauer und berichtet über die Geschichte des edlen Gemüses und seine kulturelle Entwicklung.